Von Rüttenscheid nach Kettwig

Ausgehend von der Martinstraße im quirligen Rüttenscheid geht es heute durch den grünen Essener Süden ins beschauliche Kettwig mit seiner Fachwerk-Altstadt.

Zunächst folgen wir der Rüttenscheider Straße bis die Straßenbahn aus dem Tunnel kommt. Dann biegen wir links ab und nehmen die erste Möglichkeit rechts in den Wald. Nun geht’s von Grüngürtel zu Grüngürtel. Erst durch den Kruppwald neben dem Park der Villa Hügel, dann entlang der S-Bahnlinie 6 bis zur Bredeneyer Straße. Jetzt befinden wir uns im Heissiwald in der Nähe der Villa des früheren Vorsitzenden der Krupp-Stiftung Berthold Beitz. Parallel zum Wolfsbach halten wir uns weiter auf der Straße Wolfsbachtal. Hier bauen die Stadtwerke Essen gerade in einem Mammutprojekt neue Entwässerungskanäle.

Nach 8 Kilometern tauchen die ersten Häuser von Essen-Werden auf und wir queren hier den Schuirweg. Parallel zur Ruhrtalstraße, die die Stadtteile Werden und Kettwig entlang der Ruhr verbindet, geht es weiter durch lichten Laubwald. Nun befinden wir uns im Kettwiger Stadtwald. Nach 10 Kilometern tauchen die ersten Kettwiger Häuser auf und wir folgen weiter der Straße An der Nittlau und der Schmachtenbergstraße hinein in die Kettwiger Altstadt und das heute stattfindende Feuerwehrfest. Ganz Kettwig und Umgebung ist hier auf den Beinen und nutzt die zahlreichen Angebote zur Kinderbelustigung.

Wir erreichen nach 12 Kilometern am Marktplatz von Kettwig unser heutiges Ziel.

Essen-Kettwig, Maria im Maien und Kattenturm

Wir starten heute im beschaulichen Essener Ortsteil Kettwig am Schwimmzentrum.

Entlang des Brederbachs geht es direkt durch den Wald und über schmale Pfade. Der Brederbach mündet in den Springerteich, hinter dem wir uns rechts halten. Weiter geht es nun auf der Straße Oberlehberg. Diese führt an unserer Hochzeitskapelle „Maria im Maien“ vorbei. Wir machen natürlich einen Abstecher. Sie gehört zur Kirchengemeinde St. Peter und Laurentius. Auf der Internetseite der Gemeinde finden wir zur Geschichte des Bauwerks Folgendes (Auszug):

„04.08.1929 Gründungsversammlung des Kapellenbauvereins Pierburg auf dem Hof Kammesheidt.
31.05.1930 Regierungsbaumeister Emil Jung, Essen-Bredeney, und seine Frau überschreiben der Kirchengemeinde St. Peter, Kettwig, notariell ein Grundstück von 2,63 ar Größe an der Pierburg zur Errichtung einer Kapelle.
06.03.1931 Die von Regierungsbaumeister Jung angefertigten Pläne für eine Kapelle werden vom Erzbischöflichen Generalvikariat nicht genehmigt, „weil die gewählte Form eines Rundbaues eine später notwendige Erweiterung unmöglich macht“. Pfarrer Heimbach weist sofort auf die Bedeutung der Kapelle hin und betont, dass eine Erweiterung doch möglich sei.
29.06.1931 Fest Peter und Paul. Nach der Genehmigung für den Baubeginn wird am Tage des Patronatsfestes der Gemeinde der Grundstein gelegt.
23.08.1931 In allen Pfarreien des Erzbistums Köln wird eine Kollekte für den Bau der Kapelle „Maria im Maien“ gehalten.
03.09.1931 Fest Maria Geburt. Die neue Glocke für die Kapelle „Maria im Maien“ von der Glockengießerei Petit & Edelbrock, Gescher/Westfalen, wird  geweiht und dann zum Kapellenplatz geleitet.
1932 Frau Julia Thyssen schenkt der Kapelle eine Marienstatue aus dem Jahre 1460.
22.05.1932 Segnung der Kapelle durch Dechant August Oster, Essen-Steele, in Anwesenheit von Pfarrer Heinrich Melcher, der den Anstoß zum Kapellenbau gegeben hatte (jetzt St. Bonifatius, Essen-Huttrop).
1938 Kardinal Karl Josef Schulte besucht die Kapelle, hält eine Ansprache und lobt die Kapelle wegen der Schönheit  ihrer Lage.
1940 Die Prozession zur Bittwoche von der Pfarrkirche zur Kapelle „Maria im Maien“ wurde wegen „Fliegergefahr“ durch die Polizei verboten.
14.05.1942 Mit den anderen Glocken der Gemeinde muss auch die Glocke der Kapelle  „Maria im Maien“ als „Kriegsmaterial“ abgegeben werden.
8.11.1951 Im Schutze der Dunkelheit werden die Dachrinnen und Abfallrohre aus Kupfer von der Kapelle gestohlen. Eine Renovierung wird immer notwendiger.
7.05.1953 Glockenweihe für neue Glocken (Stahlguß beim Bochumer Verein), auch für „Maria im Maien“. Wie ihre im Zweiten Weltkrieg zerstörte Vorgängerin erklingt sie wieder im Tone C. …“

An der Pierburg nehmen wir die Straße Kamisheide, vorbei am Bauernhof Kammesheidt. Früher hielt der alte Bauer Kammesheidt hier seine als Martinsbraten sehr beliebten Gänse. Heute ist der Hof für Jedermann offen. Es gibt frische Reibekuchen und Waffeln, einen Spielplatz für Kinder und einen großen Biergarten.

Kurz vor dem Schuirbach biegen wir rechts auf einen versteckten schmalen Pfad und nehmen den Weg durch den Wald hinunter zur Ruhrtalstraße und weiter zum Leinpfad entlang der Ruhr. 3 km folgen wir nun dem Flußlauf, vorbei am Kattenturm. „Burg Luttelnau war ein Rittersitz im Ruhrtal bei Essen. Sie ist die einzige zumindest noch teilweise erhaltene Motte (Turmhügelburg) an diesem Fluss. Der Kattenturm ist die Ruine des Wohnturms. … Eigentümerin der Ruine ist die Stadt Essen als Rechtsnachfolgerin der Stadt Kettwig, welche die Ruine von den Grafen von der Schulenburg geschenkt bekommen hat. Lüttelnau, auch als Luthenau und Luttenau geschrieben, bedeutete so viel wie „kleine Aue“. Die heutige Bezeichnung Kattenturm kam erst während des 19. Jahrhunderts auf und wurde später in sagenhaften Erzählungen unter anderem auf Katzen und die Chatten zurückgeführt, die dort einen Schatz bewacht haben sollen.“ (Quelle: Wikipedia)

Wir gelangen schließlich zur Kettwiger Schleuse und haben Glück: gerade wird ein Sportboot geschleust. Dann biegen wir rechts ab in die Kettwiger Altstadt mit ihrem pittoresken Fachwerkhäusern. Vorbei an den Geschäften der zahlreichen örtlichen Einzelhändler und am Friedhof gelangen wir über die Brederbach- und Rheinstraße in den jüngeren Teil von Kettwig mit Neubauten aus den 70er und 80er Jahren. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt unserer Tour, den wir nach rund 10 km wieder erreichen.

Von Hugenpoet zum Schloss Landsberg

An diesem sonnigen Morgen starten wir am Parkplatz von Schloss Hugepoet und nach der Überquerung der August-Thyssen-Straße geht es direkt rechts steil bergauf in den Wald. Wir folgen ein kleines Stück der Essener Straße und biegen dann links in den Blomericher Weg. Schöne Wanderwege führen durch den Wald bis zur S-Bahn-Linie Düsseldorf-Essen und zu den ersten Häusern von Ratingen-Hösel. Wir laufen durch eine Siedlung mit sehr schicken Villen und Einfamilienhäusern. Unweit von hier befand sich früher meine Berufsschule.

Weiter geht es über die Hugo-Henkel-Straße. Hugo Henkel starb 1952 in Hösel und ging als Erfinder des Waschmittels Persil in die Geschichte ein. Er übernahm die Henkel-Werke von seinem Vater und führte die Geschäfte des Unternehmens durch die Zeit des 2. Weltkriegs.

Über die Straße Am Tannenbaum geht es wieder zurück Richtung Essen. Eigentlich führt der Weg dann weiter auf den Görscheider Weg. Aber ein Anwohner fühlte sich durch die Wanderer und Radfahrer gestört und hat den Weg mit einem Tor verschlossen und den Durchgang untersagt. So kehren wir um und laufen über die S-Bahn-Trasse wieder auf die Kettwiger Seite des Waldes.

Bei Kilometer 8 erreichen wir Schloss Landsberg. „Im Jahr 1276 wurde es von Graf Adolph V. von Berg zur Befestigung des Ruhrübergangs gebaut. 1903 erwarb es der Großindustrielle August Thyssen. Dieser wohnte hier bis zu seinem Tod im Jahre 1926. Der geschiedene, alleine lebende Thyssen nutzte das Haus nicht nur zur Erholung, sondern auch zu geschäftlichen Besprechungen. Viele gesellschaftliche und private Veranstaltungen des Industriellen fanden hier statt. Auch heute ist das Schloss im Besitz der Thyssen-Krupp-Gruppe. Nach dem Krieg war Schloss Landsberg zunächst ein Kinderheim, dann wurde es zur evangelischen Freizeit- und Begegnungsstätte. Der burgähnliche Neubau wird heute als Fortbildungsstätte genutzt. Leider steht das Schloss dem Besucher nicht offen – dafür kann man aber in den Gärten flanieren.“ (Quelle: www.ruhrguide.de)

Über den Steinberg geht es nun wieder zur Essener Straße und durch die Wälder bei Hugenpoet zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour.