Via Alpina zum Guggersee und zur Alpe Breitengehren

Mit dem ersten Bus fahren wir im Morgengrauen nach Birgsau. Dort beginnt der 3-stündige Aufstieg zum Guggersee. Zunächst geht es noch durch Wald und Buschwerk, während das Tal im Nebel liegt. Später ist der Weg bis hinab zur Fahrstraße fast ausschließlich sonnig. Der Guggersee ist ein sehr kleiner See, bietet sich aber für eine Rast vor dem ebenfalls kräftezehrenden Abstieg an.

Der Weg ist oft sehr schmal und mit vielen Stufen und Geröll versehen. Während beim Aufstieg vor allem Kondition gefragt ist, fordert der Abstieg volle Konzentration und Trittsicherheit. Uns haben dabei Wanderstöcke unterstützt.

Nach dem Überqueren des Rappenalpbachs wird der Weg zur einfachen Straße, die gut begehbar ist. Von dort ist es nicht mehr weit bis zur Einkehrmöglichkeit in der Alpe Breitengehren. Von dort führt die Straße bequem zurück zur Bushaltestelle.

Über den Wallraffweg zur Gaisalpe

Wir steigen über die vor kurzem umbenannte Audi-Arena, einen der Austragungsorte der Vier-Schanzen-Tournee, hinauf zum Wallraffweg. Den Faltenbachtobel lassen wir dabei rechts von uns. Hier am Faltenbach spielen einige der bekannten Oberstdorfer Sagen und Märchen, die wir im Oberstdorf-Lexikon gefunden haben. Eine davon geht so:

„Vor langer Zeit standen am Faltenbach nur wenige Häuser. Aus einem dieser Häuschen hörte man an ganz bestimmten Abenden im Jahr wunderschöne Musik. Einmal wollte ein neugieriger junger Oberstdorfer sehen, was denn das für Musikanten seien, die dort in der Nacht musizierten und betrat das Häuschen. In der Stube traf er richtig nette Menschen, die den Burschen freundlich begrüßten und einluden, mit ihnen zu musizieren. Einer von ihnen gab ihm sogar eine funkelnagelneue Trompete. Doch der junge Mann meinte freimütig, dass er in seinem ganzen Leben noch nie Trompete gespielt habe. Die Musikanten entgegneten ihm, dass er doch einfach einmal hineinblasen solle. Da versuchte er es doch und zu seiner Überraschung klappte es auf Anhieb. Der Bursche blies mit Begeisterung mit und freut sich wie ein Schneekönig, als die jungen Leute zu seiner Musik tanzten. Wie durch ein Wunder schien alles zusammenzupassen. Er glaubte gar, er sei im Himmel. Als er nun einmal glücklich sein Instrument absetzte, rief er mit glücklich in der Runde: „Jesses, isch des schi!“

Aber mit einem Schlag war alles verschwunden. Er saß total alleine in der leeren Stube und in der Hand hielt er statt der glänzenden Trompete einen räudigen Katzenschwanz. Sein Ausruf mit dem Namen Jesu hatte dem Spuk auf einmal ein Ende bereitet. Dem armen Kerl wurde nun der Kopf ganz schwer. Am Liebesten hätte er sich gleich hingelegt, doch todmüde und unendlich traurig wankte er nach Hause. Dort legte sich deprimiert ins Bett und ein paar Tage später erlag er seiner Krankheit.

In dem unheimlichen Haus war von da an Ruhe. Später schlug der Blitz ein und die alten Oberstdorfer erzählten noch lange, dass aus der zusammenstürzenden Ruine ein feuriger Drache herausgeflogen sei. An der Stelle blieb viele Jahre nur ein ausgebranntes schwarzes Loch zurück und Gras ist dort nie wieder gewachsen.“

Vorbei am Café Breitenberg mit dem besten Kaiserschmarrn im Dorf überqueren wir die Skipiste, die vom Nebelhorn kommt. Wir überqueren auch den Roßbichlbach und folgen dem Wallraffweg bis zur Gaisalp-Kapelle. Im Oberstdorf-Lexikon erfahren wir, dass diese Marienkapelle auf 1150 m Höhe liegt und im späten 19. Jahrhundert erbaut wurde. Das Altarbild stammt aus dem 18. Jahrhundert, die beiden Holzfiguren des hl. Laurentius und hl. Vinzenz aus dem 16. Jahrhundert. Die Gaisalpe selbst wurde erstmals 1424 beurkundet. „Seit 1534 sind auf der Gaisalpe 4 Anwesen als Dauerwohnsitze nachgewiesen.“ 1604 gehörten der Familie Schratt alle 4 Anwesen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden aus den dauerbewohnten Häusern bis auf eine Ausnahme wieder Alpen. Josef Zobel hat das Haus Nr. 3 1892 gekauft und zwei Jahre später als Beginn der Bewirtung vor Ort eine Konzession für eine Sommerwirtschaft erhalten. Im Jahr 1982 war nur noch das Haus Nr. 1, der heutige Gasthof Gaisalpe, ganzjährig bewohnt.

Wir kehren über die Zufahrts- und Versorgungsstraße des Gasthofs zurück ins Tal, wo wir den Kneipp-Wanderweg durch die sonnigen Wiesen und vorbei an Reichenbach und Rubi zurück nach Oberstdorf nehmen.

Um den Freibergsee und zum Berggasthof Laiter

Über Mühlenweg und Haldenweg kommen wir zu den Loretto-Kapellen. Im Oberstdorf-Lexikon sind die 3 Kapellen erläutert. Die kleinste und älteste ist die Abbachkapelle von 1493. Die schönste und größte ist die Marienkapelle aus dem 17. Jahrhundert, gefolgt von der Josefskapelle als Abschluss des Kreuzweges.

Über die Wiesen gelangen wir zum unteren Renksteg, der den Beginn des Aufstiegs zum Freibergsee markiert. Wir passieren die Skiflugschanze und nehmen den Weg am östlichen Ufer entlang weiter Richtung Süden. Im Oberstdorf-Lexikon ist auch die Sage von der Entstehung des Sees aufgezeichnet:

„Wo jetzt in stiller Einsamkeit der Freibergsee bei Oberstdorf liegt, war ehedem eine schöne, fruchtbare Wiese, welche zwei, nach andern drei Fräulein gehörte, die aber dieses Besitzes wegen in beständigem Zank und Hader lebten. Als sie nun einmal auf der Wiese mit Heuen beschäftigt waren und dabei wieder in argem Streite lagen, tat eines der Fräulein zornig die Verwünschung: „Wenn nur die ganze Wies einmal versänke und zu Wasser würde!“ Da entstand in der folgenden Nacht ein fürchterliches Gewitter, und unter schrecklichem Blitz und Donner versank die Wiese in die Tiefe. Am Morgen war an deren Stelle der See, auf dessen Wasser noch die „Heuschochen“ herumschwammen.“

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Gasthof Schwand. Das Oberstdorf-Lexikon gibt an, dass bereits seit 1707 in Schwand als Vorstufe der Dauersiedlung sogenannte Auszüge nachgewiesen sind. Seit 1774 ist durch Taufbucheinträge das Bestehen einer Dauersiedlung nachgewiesen. Der Ortsname stammt von „Schwenden“, einem Ausdruck für Roden.

Hinter Schwand nehmen wir nicht den Weg links zur Hochleite, sondern geradeaus über Ringang zum Berggasthof Laiter. Hier können wir rasten. Auch viele Einheimische kehren bei der Familie Vogler ein. Auf der Internetseite des Gasthofs wird zur Geschichte erläutert, dass das Haus ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammt und als Unterkunft für die Hirten im Sommer genutzt wurde. Das Haus ist im Original erhalten und saniert. Seit 1938 werden dort auch Gäste bewirtet.

Den gleichen Weg nehmen wir wieder zurück bis zum Freibergsee, den wir nun allerdings an der Westseite umrunden. Über den unteren Renksteg und die Wiesen kehren wir wieder heim.